[Teil 4] Worüber sollte man heute noch reden? Und warum „Frauenthemen“?

Dieser Artikel ist der vierte Teil einer Artikelserie rund um die Person Dr. Christa Hofmann, Leiterin des ORF-Auslandsmagazin Weltjournal. Elisabeth Weissitsch vom Golden Z Club Wien führte mit ihr ein Interview, da die ORF Journalistin Preisträgerin des Zonta Centennial Awards ist.

Frauenspezifische Themen

Warum sollte man heute noch in Österreich frauen-spezifische Themen erwähnen? Nachdem Hofmann erzählte, welche Themen für das Weltjournal allgemein relevant sind, besprachen wir im Interview ausgehend vom Internationalen Frauentag am 08. März frauenspezifische Themen. Hofmann zeigt bevorzugt erfolgreiche Frauen, Role Models, statt ausschließlich über deren „Opferrollen“ zu berichten. Themen wie die „Gleichstellungs-Quote“, Frauen in Wirtschaft und Politik, welche männlichen Untergriffen ausgesetzt wären, die Mehrleistung von Frauen und die Reduzierung von Frauen auf deren Kleidung sind ihr wichtig. Dazu nannte Hofmann als Beispiel das diplomatische Treffen zwischen der damaligen US-Außenministerin Hilary Clinton und der deutschen Kanzlerin Angela Merkel (April 2011, Berlin), welches anschließend in den Medien modetechnischen Anklang fand (gleichfarbiges Sakko), allerdings die Berichterstattung über die inhaltliche Beratungen der beiden mächtigsten Frauen der Welt über den Krieg in Libyen und die Islamisten, völlig gefehlt hatte- zumindest am Papier!

Den Kopf abgeschnitten, der Blazer kommentiert- bei weiblichen Politikerinnen wird der Fokus oft unterhalb des Kopfes angesetzt. (Quelle)

Als relevante Frauenthemen nannte Hofmann für den Westen die gleiche Bezahlung gleicher Arbeit oder die Abtreibung als Recht über den eigenen Körper zu bestimmen. Während der Abtreibungs-Aufklärungsphase wäre man sehr beeinflussbar, aber dann würde sich niemand mehr um einen kümmern. In den USA dürften Ärzte und *innen aus Gewissensgründen Abtreibungen ablehnen, während sich in Italien viele schon gar nicht mehr trauen Abbrüche durchzuführen, da der soziale Druck des katholisch geprägten Landes dies teilweise unterbinde.

Ein wichtiges Thema sei auch die Veränderung der Werte in Europa, welche keine falsche Toleranz hervorrufen dürfe:

„Europäische Grundwerte und Frauenrechte stehen über jeder Art von traditionellen Gebräuchen patriarchaler Länder“.

Somit wäre ein weiteres Thema (Einwanderung) bezogen auf die Frau relevant: Frauen seien der Schlüssel der Integration, sie wären kommunikativer, wollen sich integrieren und sehen Chancen, welche sie in der Heimat nicht hätten.

Damit in Verbindung stehe ein weiterer Punkt: Probleme in der Ehe, welche im schlimmsten Fall mit Gewalt gegen Frauen endet. Die zahlreichen Frauenmorde (auch in Österreich) seien verursacht, weil Männer offenbar nach wie vor ein Problem damit haben, wenn Frauen ein selbstbestimmtes Leben führen wollen.

Kann man als Frau etwas gegen diese Ungerechtigkeiten tun?

Hofmann meint, ja! Je mehr im öffentlichen Diskurs, privaten Kreis, auf Universitäten, in Zeitungen, Politik usw. darüber diskutiert würde und Frauen gleichen Lohn für gleiche Arbeit einfordern etc., umso eher würde sich langsam, aber sicher etwas daran ändern.

Durch diesen Punkt kamen wir im Gespräch erneut auf die Quote zu sprechen, Hofmann meinte diese sei absolut gerechtfertigt und würde helfen, diesen Wandel zu beschleunigen.

„Je mehr Frauen in höheren Positionen sind, umso eher wird das akzeptiert und angenommen, umso mehr Vorbilder für Frauen gibt es.“

Zum Teil würden heute noch junge Mädchen eher den Beruf der Frisörin und Burschen technische Sparten wählen, aber wenn man sieht, dass Frauen auch Bundeskanzlerin, Chefin/Geschäftsführerin oder Journalistin werden können, ändert sich die Vorbildwirkung für Mädchen. Das Ziel einer Geschlechterquote sei, dass diese irgendwann nicht mehr notwendig wäre, nicht weil 90% Frauen wären, sondern zumindest 45% in verschiedenen Sparten repräsentiert seien.

Hofmann nannte hier noch die Wirtschaft: je mehr weibliche und männliche Sichtweise, Ethnien, etc. die Vielfalt erhöhen, umso besser und kreativer würden die Unternehmen und auch die Gesellschaft werden.

„Wenn immer nur die gleichen Männer, die im selben Golf-Club und Jagdverein sind, die gleichen Themen promoten, dann steht die Gesellschaft still und entwickelt sich nicht weiter.“

Wir wollen keinen Stillstand.

Ein herzliches Dankeschön vom Golden Z Club an Frau Christa Hofmann für die interessanten Einblicke, Ansichten und die Zeit, die sie sich genommen hat.

Interessieren Sie auch die weiteren Teile der Artikelserie? Lesen Sie hier über das Interview mit Christa Hofmann.

[Teil 4] Artikelserie des Golden Z Club Wien über Christa Hofmann

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