Pro und Zonta: Emanzipation und Feminismus im 21. Jh.

Wer braucht heute noch Emanzipation, habe ich als Leitfrage für den Pro und Zonta Workshop am 28.01. gestellt. Die Antwort ist so einfach, wie es die Begriffsdefinition vermuten lässt. Emanzipation bedeutet ursprünglich die „Freilassung eines Sklaven“ oder das „Entlassen des Sohnes aus väterlicher Gewalt“.

Es geht also um das Befreien, um die Loslösung, die Selbstständigkeit. Befreiung aus den Vorgaben von Traditionen, gesellschaftlichen Normen und Weltanschauungen, sowie politische Selbstbefreiung. Heutzutage wird dafür oft der Begriff „Empowerment“ verwendet, also das Ermutigen von einer anderen Person, sich von etwas zu befreien. Auch Zonta versucht mit „Empowerment“ junge Frauen zu ermutigen, für ihre Rechte einzustehen.

Aber Emanzipation hat historisch betrachtet nicht nur die Bedeutung Frauen zu unterstützen, sondern meinte eben die Befreiung verschiedener Gruppen, die vom politischen Entscheidungsprozess ausgeschlossen werden/wurden. Sei es aufgrund von Ethnizität, Geschlecht, Klasse oder anderen Diskriminierungsfaktoren.

Die Emanzipation der Frauen begann mit der Proklamation der „Rechte der Frau und Bürgerin“ durch Olympe de Gouges während der französischen Revolution, wodurch diese auf der Guillotine enthauptet wurde. Ab dem 19. Jahrhundert in der sogenannten ersten Welle der Frauenbewegung wurden vor allem Bürgerrechte und Recht auf Arbeit, Bildung, sowie Wahlen gefordert. Die Rolle der Frauenrechtlerinnen veränderte sich durch die beiden Weltkriege stark. Währen das Wahlrecht in Österreich mit 1918 rechtlich verankert wurde und ein Jahr später Frauen tatsächlich das erste Mal wählen durften, wurden Frauen für den Wiederaufbau nach Kriegsende benötigt. Dennoch hatte Hitler das Mutterbild, der braven Mutter und Hausfrau, nachhaltig geprägt.

Frauenbewegung

Die zweite Wellte der Frauenbewegung begann in den USA mit den 1950-60ern, wo besonders gegen sexuellen Missbrauch, für Verhütung und Abtreibung, sowie Selbstbestimmung demonstriert wurde. Den ersten Wurf dieser Welle in Europa, machte 1968 Sigrid Rüger, die eine Tomate gegen einen SDS Politiker warf, um den Unmut über die ungelöste Frauenfrage zu demonstrieren. Der Tomatenwurf leitete die zweite Welle der Frauenbewegung in Europa ein, welche geprägt war vom Leitsatz „das Private ist politisch“ (durch Helke Sander). Das sollte darauf aufmerksam machen, dass tabuisierte Themen, die bisher nur hinter verschlossene Türen gehörten, sehr wohl politische Relevanz hatten und gelöst werden sollten. Es ging beispielsweise um Kinderbetreuung, Arbeitsteilung, Rollenzuschreibungen, aber auch um die Gesetzesänderung einiger relevanter Bereiche, wo die Frau den Ehemann um Erlaubnis bitten musste (arbeiten zu gehen, Konto zu haben usw.).

Ab diesem Zeitpunkt hat sich in Gleichstellungsfragen generell gesellschaftlich sehr viel bewegt und die Emanzipation bzw. das Erkämpfen von Rechten rückte bei uns in den Hintergrund. Heutige feministische Aktivistinnen setzen sich aber weiterhin für marginalisierte Gruppen ein, welche entweder nach wie vor nicht dieselben Rechte wie Männer haben oder um verschiedene Themen anzusprechen.

und heute?

So wurde die dritte Welle der Frauenbewegung (eingeteilt mit zwei verschiedenen Startpunkten) international. Die weltweite Vernetzung wurde durch die Einführung der internationalen Weltfrauenkonferenz (1975) und später durch das Internet, globaler. Parallel dazu gab es Bewegungen, um verschiedene Missstände in der Gesellschaft weiterhin zu verbessern. Gegen die Täter-Opfer Umkehr bei Vergewaltigungsopfern (Stichwort: „Sie wollte es ja“,“sie hat nicht nein gesagt“ oder „bei der Kleidung…“) demonstrierten Frauen auf den sogenannten „Slutwalks“. Auch die „Femen“, welche in der Ukraine auf die problematische Situation von Sexarbeiterinnen und Menschenhandel aufmerksam machten, sind Teil der aktuellen Bewegung. Die derzeitige Welle von Frauenbewegungen kämpft nicht mehr primär um Grundrechte, aber für die generelle Verbesserung des Status der Frau.

Was wollen wir?

Dass bei weitem nicht alle Frauen weltweit Grundrechte besitzen, zeigt auch der Gender Inequality Index (Index der geschlechtsspezifischen Ungleichheit), welcher die Länder anhand der geschlechtsspezifischen Ungleichheit sortiert (Österreich 0,07). Die jetzige Welle ist vor allem in der EU geprägt vom Leitsatz der „Gender Equality“, es geht also um Gleichstellung der Geschlechter.

In unserer Online Diskussion haben wir uns darüber ausgetauscht, welche persönlichen Erlebnisse uns selbst motivieren, uns für Frauen (weltweit) einzusetzen. Karrierehindernisse, die Erwartung heiraten zu müssen, „frauenuntypische“ Berufe, Kinderbetreuung in Corona Zeiten, Probleme beim Dating und die Abwertung „weiblich“ ausgeführter Arbeit wurden dabei genannt.

Wir, vom Golden Z Club Wien sehen das Thema Feminismus im 21. Jahrhundert prinzipiell für uns als sehr positiv an, sehen aber Handlungsbedarf bei den Grundrechten in anderen Ländern und spezifischen Menschenrechtsverletzungen in Europa (z.B. Zwangsheirat, Gewalt gegen Frauen, Menschenhandel).

Ein typisches Gruppenbild von einer Online-Veranstaltung 😉

Außerdem erkennen wir viele Verbesserungsmöglichkeiten für eine bessere Gesellschaft, ob es dabei um Tabuisierungen geht, Body-shaming, Diskriminierung am Arbeitsplatz, politischen Fragen wie der Gender Pay Gap oder die Frauenquote, gesellschaftliche Themen wie dem Gendern, dem Heiraten und der Rolle der Familie, oder auch tatsächlich gefährliche Bedrohungen wie Gewalt, sexuelle Übergriffe oder Frauenhasser-Bewegungen (wie Incel). Wir sind privilegiert uns über solche Dinge Gedanken zu machen und möchten unsere Energie dafür nutzten dafür einen breiteren Diskurs zu schaffen, Probleme aufzuzeigen und eine gute Kommunikationsbasis zu schaffen. Viele dieser Themen leben vom Austausch und daher laden wir dazu ein, mit uns ins Gespräch zu kommen, sei es über die sozialen Medien oder beim nächsten Pro und Zonta Workshop 😊

Das Video von Elisabeth’s Präsentation könnt ihr auf ihrer Website ansehen, hier gibt es leider nicht genügend Speicherplatz 😉

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